Donnerstag, Januar 29, 2009

Unachtsamkeit

Da fährt man ohne etwas zu denken auf seinem Bike die Strasse herunter und dann stellt sich genau das als Fehler heraus. Denn ist man nur ein Moment mal unachtsam, ist das hier manchmal schon zu spät. Ein Moment ist auf den Strassen Ho Chi Minh Citys nämlich oftmals schon viel zu viel. Als ich dann wieder nach vorne schaute, stand plötzlich das Auto, das vorher noch weder weit noch breit zu sehen war, vor mir. Eine Vollbremsung später, lag ich auf dem Boden. Nachdem ich mich abgeklopft hatte, dachte ich kurz: "OK, weiter gehts!" Aber ein kurzer Kontrollgriff an meinem Mund, lässt mich die Hälfte meines Zahns in der Hand sehen. Und viel Blut. Etwa 43 Vietnamesen (vielleicht auch 44, ein Kind und eine Miezekatze) stehen innerhalb der Rekordzeit von 2,7 sekunden um mich herum. 17 von denen und die Miezekatze bringen mich auf den Gehweg, der Rest und das Kind kümmert sich um mein Motorbike. Ich werde ins Krankenhaus gebracht und dort genäht, weil ich mir irgendwie die Lippe mit dem kaputten Zahn aufgerissen habe. Fünf Stiche insgesamt. Aber weh tut mir eigentlich nie irgendwie irgendwo irgendetwas.
Ich dachte natürlich an das Naheliegendste: Durch den Sturz habe ich mir irgendwo den Zahn ausgeschlagen. Aber anscheinend war das zu naheliegend. Denn dadurch, dass ich nur einen Zahn ausschlug und auch nie Kopfschmerzen oder mir sonst was weh tat und auch keine Gehirnerschütterung hatte, vermutete der Doktor, dass ich beim Anbremsen so verkrampft habe, dass ich so stark mit den Zähnen aufgebissen habe, dass der eine abgebrochen ist. Irgendwie klingt das nicht wirklich plausibel. Und ausserdem macht mir das Angst, dass ich so viel unkontrollierte Energie in mir habe.
Anyway: Das war wohl der beruehmte Schuss vor den Bug, der zu mir sagte: "Hab mehr Angst vor diesem Verkehr!"

Die Fäden aus meiner Lippe sind wieder gezogen, nur der halbe Zahn erinnert noch an den Unfall. Glück im Unglück! Und ausserdem habe ich jetzt eine Geschichte: "Tja, ihr solltet mal den Anderen sehen!" So hielt mich dann auch nichts mehr davon ab, gebührend das vietnamesische neue Jahr (Tet) zu feiern. Naja, nicht so gebührend, wie die Vietnamesen, aber doch mit 2,3 Bieren (zu viel). In diesem Sinne, zurück in die Funkhäuser mit einem dreikräftigen "Chuc Mung Nam Moi!"

(Musik: Hooters - All You Zombies)

Blubb!
Chris

Samstag, Januar 03, 2009

Von der Kunst krampfhaft zu entspannen

frosneusunso an alle Freunde des guten Geschmacks!

Meine Vorsaetze fuer das neue Jahr:
- Mehr bloggen, wenn es nichts aus meinem vietnamesischen Alltag zu berichten gibt, dann eben andere Sachen, die mich bewegen
- geduldige werden und mehr Temperament zuegeln.

Da lagen wir also am Strand auf Phu Quoc und liessen uns massieren. Also wir, das sind Schwester 1, Schwester 2 und Schwager. Moment, das heisst massieren liessen sich nur meine Schwester und ich mich. Wir lagen also da, schlossen die Augen und gaben uns voll den mehr oder weniger begabten Haenden hin (Also nicht, was ihr denkt: Es war ein oeffentlicher Strand und eine normale Massage). Und da ich eben so unglaublich gut aussehe (Achtung: Ironie!), fing meine Masseurin an, mit mir zu flirten und redete drauf los mit mir. Da ich schon einigermassen entspannt war, ging ich halt drauf ein und unterhielt mich mit mir ueber mehr oder weniger belangloses Zueg bzw. beantwortete halt die vier Fragen:
- Where are you from?
- What's your name?
- How old are you?
- Do you have girlfriend?
Ja, im Grossen und Ganzen war das das Gespraech (Ich lass jetzt mal weg, dass ich von der Masseurin gefragt wurde, ob ich eine mehr moechte, als ich antwortete, ich haette schon eine Freundin). Und als dann im Ressort eine bekannte Melodie gespielt wurde und ich begann zu mit zu pfeifen (oder zu singen), platzte Schwester 2 der Kragen: "Chris, ich versuche hier krampfhaft zu entspannen!" Peinlich beruehrt bemerkte ich nicht sofort diesen Oxymoron, dieses wunderbare Wortspiel. Ein verdeckter Hinweis auf die Faehigkeit ihrer Masseurin und dazu noch ein traumhaft, spielerischer Umgang mit der Sprache. Ich bin mir beinahe sicher, sie wollte mir mehr sagen, als nur "Sei ruhig!" - oder es war eben einfach nur ein Versehen.

Anyway, die Zeit mit den dreien verging schnell - ihnen viel zu schnell. Aber so ist das ja immer, wenn man in einem fremden Land ist. Am letzten Tag fragte ich die drei, was ihnen am meisten haengen blieb. Neben dem tollen Verkehr, waren es die Stronleitungen, die bestimmt nach einem System aufgehaengt wurden und die warme Freundlichkeit der Menschen. Und natuerlich der Franzose, bei dem man ein auf den Punkt gebratenes Filet-Steak (Medium) vom Rind fuer weniger als 5 Euro bekommt. Und es ist genug...
Ich freue mich dann schon auf euren naechsten Besuch!

Ein paar Bilder:

Phu Quoc: Sonnenuntergang


Ho Chi Minh City: Stromkabel


Go2: Es war mein erstes Bier. Und die anderen hatten auch nicht mehr.


Beim Barbecue: Die Langusten zittern noch auf dem Grill (die wurden naemlich lebendig drau gelegt). Das war lecker!

Weihnachten und Co:
Da ich oft gefragt wurde, ob ihr Weihnachten gefeiert wird: Ja, es wird gefeiert. Etwa so Kitsch-Weihnachten, wie in den USA. Alles erleuchtet und bloss alle in blau oder gruen oder pink erleuchten, aber von besinnlichen Weihnachten kann man nicht gerade sprechen.
Silvester wird auch gefeiert. Das ist das schoene in Vietnam, hier kann man zwei Mal Chuc Mung Nam Moi (Frohes neues Jahr) sagen: Einmal unser Silvester und einmal Tet (Silvester nach dem Mondkalender). Wenn also einmal unser Jahr schlecht angefangen hat, hat man mit Tet nochmal eine neue Chance das neue Jahr zu begehen.

(Musik: The Cure - boys don't Cry)

Blubb!
Chris

Sonntag, November 09, 2008

Explosion?

Da sass ich das erste Mal seit sieben Monaten endlich am Strand in Mui, genoss ein Omelett mit einem Ca Phe Sua Da und ploetzlich macht es einen Riesenknall, als sei irgend ein Lastwagenreifen explodiert. Die Strasse war nun nicht so weit weg, aber dieser Knall war um einiges naeher - kam mir zumindest vor. Ihr haettet die Gesichter der Gaeste (und wahrscheinlich auch meines) sehen sollen - irgendetwas zwischen "Was war das?", "Ich muss hier weg!" und "Haben wir noch eine Chance". Und diese Stimmung loeste sich auch nicht unbedingt, als ein mysterioeses Poltern auf dem Blechdach begann. Sind Sie nun endlich gekommen? 60 Jahre nach Roswell? Aber warum gerade in Mui Ne? Das Poltern nahm ein wenig zu, dann hoerte es abrupt auf und dann fiel ganz friedlich eine Kokosnuss vom Blechdach in den Sand. Ganz leise, so nach dem Motto "Was wollt ihr eigentlich"?
Ich weiss, das klingt jetzt so nacherzaehlt nicht unbedingt berichtenswert, aber ihr haettet zuerst mal die angespannte Stimmung zuerst und dann das Lachen danach hoeren sollen. Der Knall, als die Kokosnuss auf das Blechdach haute, war schon Hammer... Also so ungefaehr "Buuuummmm!" - nur noch viel lauter.

Dabei war die Anreise nach Mui Ne schon eine Qual. Hatte den Freitag frei genommen, damit ich nachmittags nach Mui Ne fahren konnte. Endlich raus aus dem Smog der Stadt, so langsam lies auch die Regenzeit nach, es sollte also einem perfekten Wochenende nichts mehr im Wege stehen. Dass dieser Freitag dann der erste Tag seit zwei Monaten war, an dem es nur einmal regnete (aber den ganzen Tag), verdarb mir aber schon ziemlich die Laune. Aber als dann im Bus ein Baby 4 Stunden lang wie am Spies schrie, war ich kurz davor das Baby durch die geschlossene Scheibe zu schmeissen. Am schlimmsten war jedoch, dass der Bus statt der versprochenen vier geschlagene sechseinhalb Stunden nach Mui Ne brauchte. Und keiner weiss, warum. In Mui Ne - abends um halb elf - also zu einem Zeitpunkt, zu dem in Mui Ne langsam die Buergersteige hochgeklappt wurden, wurde ich dann aus dem Bus geschmissen, weil der Busfahrer mein Stammressort Vietnam-Austria House nicht kannte. Also noch eine halbe Stunde im Nieselregen laufen (mit nassem Rucksack, weil es in den Stauraum reingeregnet hat), weil komischerweise nicht ein einziger Motorbike-Fahrer zu finden war. Ich war mir hundertprozentig sicher, dass das Ressort bei meinem Glueck an diesem Freitag im Oktober schon ausgebucht war. War es Gott sei Dank nicht. Ich konnte also das erste Mal seit sieben Monaten unter eine warme Dusche stehen und bin dann nur noch ins Bett. Zu kaputt fuer alles... Am naechsten Tag war dann alles besser - und ich habe die restlichen Tage shoen genossen.

Aber wo es gerade um den Regen ging: Wie ihr wahrscheinlich gehoert habt, geht es in Nord- und Zentralvietnam gut ab. Letzte Woche gab es die schlimmsten Ueberschwemmungen in Hanoi, wie seit 20 Jahren nicht mehr mit mehr als 40 Toten. Und der naechste Sturm ist auch shcon wieder angekuendigt. Hier unten, in Ho Chi Minh City, haben wir mehr Ruhe. Es regnet immer noch einmal pro Tag, obwohl die Regenzeit schon vorbei sein sollte. Mal schauen, wie lange das noch geht. Sind dann immerhin schon fuenf bis sechs Monate so. Und teilweise war es dann tatsaechlich so, dass drei, vier Tage lang keine Sonne zu sehen war, sondern es den ganzen Tag geniesselt hat. Das ist schon eine Ausnahme, wenn es einmal pro Tag dann reichtig regnet, ist es aber dann doch angenehmer, als dieser Dauerregen vier Tage lang. Ich hoffe, bis zum Dezember, wenn Judith, Anke und Bernd kommen, ist der Regen aber dann ganz weg.

Fussball spiele ich auch wieder, hatte naemlich ein wenig zugenommen. Dieses Mal spiele ich in einem Expat-Team mit eigentlich sehr coolen Jungs, die mich gut aufgenommen haben. Das einzige ist, dass ich nach beinahe einem Jahr ueberhaupt nicht mithalten kann. Und nach dem Training bin ich total ausgelaugt. Naja, hoffen wir, das hilft alles was...

Und dann ist Obama ja neuer Praesident. Ich werde jetzt keinen "Herzlichen Glueckwunsch" schreiben, oder sonst was. Lesen wird er es ja eh nicht. Ich bin nur mal gespannt, wie er sich schlaegt. Das einzige, was mir schon wenig Angst macht, ist, dass er einen Kennedy (den Sohn vom ehemaligen Justizminister "Bobby" und der Neffe von JFK) ins Kabinett rufen will. Kennedy und regieren bzw. mit regieren - das ging meist ziemlich boese aus. Hoffen wir das Beste.
Im Uebrigen bin ich erstaunt, wie viel man hier ueber diese politischen Themen auch ueber die vietnamesischen Webseiten mitbekommt. Hatte eigentlich gedacht, dass alles, was mit Politik, Wahlen oder sonst was zu tun hat, wird gefiltert. Aber nein... Nun ja, gut, dafuer ist es schwieriger, etwas ueber das wahre Wirtschaftswachstum, die Auswirkungen der Finanzkrise in Vietnam und die Politik in Vietnam zu erfahren. Und das, obwohl ich selbst in Vietnam bin.

Kommentare sind uebrigens alle erwuenscht, bloss keine a la "Endlich schreibst du mal wieder" oder "Das hat ja gedauert" - ich weiss das doch...

(Musik: Ben Folds Five - Philosophy)

Blubb!
Chris

Mittwoch, Juli 30, 2008

Strahlender Sonnenschein

Strahlender Sonnenschein, die Voegel wuerden zwitschern, wenn die Stadt nicht voller Smog waere und sie nicht schon laenger aus der Stadt geflohen waeren. Wie immer am Wochenende trage ich laessig ein Hemd, meine Backpacker-Shorts und meine Flip-Flops... Und dennoch, den Ca Phe Sua Da (Kaffe mit suesser Kondensmilch und Eis) ganz locker trinkend, schwitze ich unheimlich. Da ist es fuer mich immer noch unverstaendlich, wie die Vietnamesinnen langaermig, mit Jacken(!!!!!), Handschuhen, Mundschutz und Hueten komplett eingepackt durch die Strassen marschieren koennen und kein wenig schwitzen. Oder vielleicht schon, aber man merkt es nicht an. Es ist einfach kurios.
Achja, es ist Regenzeit. Das bedeutet, es regnet im Normalfall einmal abends, manchmal gar nicht, hin und wieder schon Mittags, ganz selten morgens. Und vielleicht einmal in anderthalb Monaten regnet es den ganzen Tag. Das macht eigentlich gar nichts. Viel eher kuehlt der Regen angenehm ab. Denn sollte mal wieder der Strom bei mir ausfallen - in den letzten zwei Wochen alleine fuenf Mal - dann tut die frische Nachregen-Luft recht gut. Naja, was heisst frisch - smog-frisch.

Und dann konnte ich einmal sogar vietnamesisch. Das hatte ich gelernt, als ich Besuch hatte, von Thong, Duong, Thuy und Thao (von links). War ganz lustig. Zuerst gekocht, dann gegessen, dann rumgehangen und dann Karaoke.


Ansonsten laufen die Wochen immer noch gleich ab. Die Woche ueber arbeiten, abends daheim am Laptop haengen, weil kaputt, am Wochenende dann abends ausgehen, mittags in die Stadt und einfach das Leben geniessen. Macht alles schon spass. Weil man hier auch wirklich das Leben geniessen kann. Schliesslich ist alles - bis auf die Boxershorts - billiger als in Deutschland. Warum die so teur sind, weiss ich nicht.


Achja, das Allez-Boo macht wieder auf. An der Stelle, an der es frueher war, ist nun ein Highlands Coffee, aber gegenueber, wo frueher ein Lotteria (Fastfood) war, oeffnet nun das Allez-Boo. Ueber vielleicht drei, vier Stockwerke. Genau habe ich es mir noch nicht angeschaut. Hoffe die Preise bleiben noch wie damals. Obwohl ich eher denke, Preise werden sich dann eher dem Go2 anpassen. Macht nichts, solange es noch das Eden. The place to be. Mit den Angestellten und den Besitzern war ich uebrigens auch schon im Karaoke. Achja, das EM-Finale haben wir (von links: Hoa, Christopher, Andre) auch zusammen angeschaut. Um 7 Uhr morgens war ich da am naechsten Morgen zu Hause. Gott sei Dank hatten wir (fast alle) frei!


Und dann ist es geschehen: Ich bin nun auch Buchautor! Koennt es ueberall voellig ueberteuert kaufen und dann nur rezensieren, wenn es euch auch gefaellt. Wenn nicht, schmeisst es halt wieder weg. Solange ihr von mir nicht das Geld zurueck verlangt...
Obwohl ueberall der Name von mir drunter steht, fuehlt es sich jedoch an, als sei es nicht von mir geschrieben worden. Ich, Buchautor. Das passt einfach nicht. Vielleicht ist es doch nur ein Traum gewesen und es gibt mehrere Leute meinen Namens.

Achja, und dann ist mir noch folgender aufgefallen:

So wunderbar mit Emotionen, eine tolle, reine Stimme - wie Reinhard May - und Texte zum Niederknien, die an manchen Stellen gar stark an Sterne und Tocotronic erinnern. Hoert mal weitere Lieder von ihm an.

(Musik: Blackmail - Moonpigs)

Blubb!
Chris

P.S.: Sorry, fuer die lange Wartezeit!
P.P.S.:ANKE, alles, alles, alles, alles, alles Gute zum Geburtstag! Und feier schoen! Kann dir ja leider mit meinem Mobile nicht anrufen oder SMS schreiben. Wir feiern dann auch zusammen im Dezember. Und Judiths und Bernds (alles Gute nachtraeglich) und meinen Geburtstag!

Sonntag, Juni 15, 2008

Zwischenstand

Das wird seit langer Zeit wohl wieder ein laengerer Post. Deshalb hier zuerst ein kleines Inhaltsverzeichnis mit Zwischentiteln.
- Vietnamesen
- Ich in Vietnam
- Biet noi tieng anh?
- Euro

Vietnamesen
Vietnamesen an sich sind immer relaxed. Egal, was passiert. Klappt zum Beispiel etwas beim Programmieren nicht, dann sieht man das hoechsten an dem fragenden Gesichtsausdruck. Geht es im strassenverkehr zwischen Motorbike und Motorbike mal ein wenig enger zu, dann schaut man sich eben fragend oder manchmal sogar laechelnd an. In ganz seltenen Faellen wird mal was gesagt. Ansonsten laechelnd gehupt. Nun ja, was ich bisher mitbekommen habe. Aus diesem Grund ist das vietnamesische Essverhalten eigentlich kurios. Ist man beim arbeiten still oder geht man meist dem direkten Konflikt aus dem weg, so scheinen die Vietnamesen ihre unterdrueckten Gefuehle bein Essen ausleben zu muessen. Das auessert sich dann in lautem Schmatzen, in hektischen Bewegungen mit Gabel und Loeffel (Messer kennen die eigentlich gar nicht) und in lauten Unterhaltungen mit dem Nachbarn. Das Hantieren mit der Gabel und dem Loeffel sieht zwar gekonnt aus, ist aber auch oft sehr uneffektiv. Da nehmen sie mit ihrem Loeffel Suppe aus dem Gefaess auf ihren Reis und ertraenken die drei Reiskoerner mit einem kompletten Loeffel Suppe. Diese drei Reiskoerner werden dann noch so lange in der Suppe bewegt, bis sie so gross, wie der Loeffel selbst sind. Also aufgedunsen. Dabei schmatzen sie noch vom letzten Loeffel und unterhalten sich noch nebenbei mit dem Nachbarn. Dadurch entsteht so eine hektische Ess-Stimmung, dass sich der westliche Teilnehmer am Tisch fragt, wozu Vietnam eigentlich frueher eine Kolonie Frankreichs war. Ein wenig Laissez-faire auch beim Essen waere ein wenig angebrachter.
Ich mag die Vietnamesen trotzdem...

Ich in Vietnam
Gestern war ich mit dem Bus unterwegs in die Stadt, sah mir wie immer die ganzen Haeuser an und dachte zu mir selbst, dass ich ueberhaupt nicht mehr weiss, warum ich so gerne in Vietnam bin. Es ist immer wieder von Neuem faszinierend, diese komplett andere Kultur aktiv wahrzunehmen. Sich Gedanken zu machen, warum sie immer noch diese "Garagen" als Haueser an die Strasse bauen und warum sie immer so gerne gaffen. Nicht nur bei Unfaellen, sondern bei eigentlich allem. Laufen zwei Jungs redend an den Verkaeufern vorbei, schauen alle Verkaeufer eines Ladens hoechst interessiert diesen beiden Personen nach - ob Mann, Frau, Junge, Maedchen, Opa, Oma oder sonst wer. Bei mir ist das als Westler und blondem Ausserirdischen auch noch der Fall. Wie zum Beispiel die beiden Bedienungen in dem Coffeeshop, die kein Wort englisch sprechen, aber mich die ganze Zeit so komisch angucken. Aber sie schauen auch anderen Personen nach - also Vietnamesen.
Arbeit ist immer noch gut, es gibt da halt nichts zu berichten, deshalb bin ich so ruhig. Mein groesstes Ereignis war der Vietnamese aus Hanoi, der mich letztens zu seiner Flasche Jameson eingeladen hat. Die wir dann zu zweit geleert haben. Ich fuehlte mich noch gut - in der Kneipe, aber als ich an die frische Luft kam, traf mich der beruehmte Mann mit dem Hammer. Ja, man hat den Whiskey doch gespuert.
Ansonsten ist es hier zu Hause immer ein wenig - nicht langweilig, hab ja Internet - aber man merkt eben, dass ich (noch) alleine hier wohne. Waere schoen, abends mal auf der Dachterasse ein Bierchen mit nemMitbewohner zu trinken. Es kommt ja bald ein Hollaender - ich hoffe, der mag Bier und auch Deutsche. Da ich schon nette Hollaender getroffen habe (ja, die gibt es), sehe ich dem ganz offen entgegen.

Biet noi tieng anh?
Das heisst soviel wie: Sprechen Sie Englisch? Oder vielmehr, weil die Anrede fehlte: Sprechen Englisch? Hier draussen koennen das erstaunlich wenige. Ich meine, dafuer, dass alle in der Schule Englisch lernen, ist das fuer mich schon ueberraschend. Gerade die beiden Bedienungen, die 19 und 21 sind und mit der Schule gerade fertig sein sollten, sprechen aber kein Wort Englisch. Da war es umso erstaunlicher, einen zehnjaehrigen zu treffen, der sich im Bus richtig gut mit mkir unterhalten konnte. Antuerlich teilweise sehr bruchstueckhaft, aber doch einen erstaunlichen Wortschatz. In der Innenstadt ist das Englisch dann viel besser. Vielleicht zieht es mich deshalb jedes Wochenende dorthin. Einfach hin und wieder Englisch reden.

Euro
Es waere zuviel gesagt, sie wuerde mich kalt lassen, aber das Interesse beschraenkt sich dann doch auf das Nachlesen in diversen Internetportalen. Was wahrscheinlich auch verstaendlich ist, wenn die Spiele fruehestens um 23 Uhr beginnen und erst um halb vier zu Ende sind. Und wenn man dann am naechsten Tag aufstehen muss, ist das nicht unbedingt eine tolle Zeit.
Auf 11freunde.de gibt es aber eh die ganzen EM-Ticker zum Nachlesen. Echt zum Schiessen. Vor allem der Ticker aus dem Spiel Griechenland - Schweden:
1. Minute: Anstoss. Schon riecht es hier nach Beton.

Traiano Dellas spielt Libero. Wir fragen: Wann bringt Rehagel Mirko Votava?

Schade, dass es bei der EM keine Absteiger gibt.

Oder aus dem Eroeffnungsspiel Schweiz - Tschechien:
Jarolim faellt. Schiedsrichter pfeift nicht. Es wird eine tolle EM.

Jarolim faellt wieder. Schiedsrichter pfeift wieder nicht. Es wird eine spitzen EM.

Auch die beiden ernuechternden ersten Spiele der Deutschen (OK, ich hatte auch die Vorbereitungsspiele nicht gesehen), sind mir nicht unbedingt egal. Aber wenn man 10.000 Kilometer entfernt von der Euphorie lebt, laesst einem eine Niederlage doch mehr kalt, als wenn man immer sofort Bild-Ueberschriften lesen muss.
Europameister wird den Ergebnissen nach eh die Niederlande.


Naja, so far mal. alles Gute nach Deutschland. Zurueck in die angeschlossenen Funkhaeuser.

(Musik: Led Zeppelin - Stairway To Heaven)

Blubb!
Chris

Sonntag, Mai 18, 2008

Und da war da noch die Fledermaus

Im Nachhinein war es schon lustig, doch im ersten Moment bin ich doch sehr erschrocken, als ich eines Morgens, kurz vor sieben oder eben mitten in der Nacht aufgestanden bin, um im Bad meiner ueblichen morgendlichen Pflichten nachzukommen. Ich, die Augen etwa so so weit geoeffnet, dass man mich trotz der blonden Haare auch als Vietnamese haette ausmachen koennen, gehe - wie man das morgens ueblicherweise so macht - auf die Toilette und erschrecke erst einmal zu Tode. Da liegt etwas in diesem Teich in der Toilette (wie heisst das eigentlich in der Fachsprache? Vorschlaege sind gerne als Kommentar gesehen) und bewegt sich ein wenig. Ich: Oh Nein. Bitte keine Ratte, die sich jetzt da eingenistet hat. Mein zweiter Gedanke: Einfach wegspuelen. Also betaetige ich die Spuelung. Und da breitet die vermeintliche Ratte ploetzlich Fluegel aus und entwickelt sich in einem Bruchteil einer Sekunde von einer Ratte in eine Fledermaus. Richtig, in meinem Teich der Toilette (ich suche immer noch nach dem Fachwort) lag eine Fledermaus - halbtot gegen den sicheren Tod kaempfend. Und dann kommt da noch der boese Mensch und betaetigt die Spuelung. Also, suche ich erst einmal etwas, mit dem ich die Fledermaus aus diesem Teich meiner Toilette (ja, Menschmeier nochmal!), finde die Verpackung von Gummihandschuhen, und befoerdere die Fledermaus zunaechst einmal aus dem Wasser und halte sie am Rand mit dieser Verpackung fest. Dann gebe ich ihr die Zeit zu realisieren, dass diese Verpackung die Rettung fuer sie ist und lasse sie langsam komplett auf die Verpackung krabbeln. Dann lege ich sie auf meiner Fensterbank ab, wo sie erstmal nur zitternd und schnaufend sitzen bleibt. Als ich fuenfzehn Minuten spaeter im Bad fertig bin, sitzt sie im gleichen Zustand immer noch da. Kein Wunder: Stellt euch mal vor, ihr seid eigentlich schon ertrunken und koennt euch aus dem Wasser nicht befreien und dann geschieht ein Wunder und ihr liegt ploetzlich im Trockenen. Ich wuerde mich die naechsten Stunden nicht mehr bewegen, um diesen Schock zu verdauen. Als ich abends heimkomme, ist die Fledermaus aber dann weg.
Wie sie ins Klo kam? Muss vor dem Regen in der Nacht zuvor geflohen sein und sich verirrt haben. Irgendwie hat ihre Orientierung im Regen wohl verrueckt gespielt. Anders kann ich mir das nicht erklaeren.
Und ich? Naja, innerhalb von fuenf Minuten vom vermeintlichen Rattentoeter zum Fledermaus-Lebensretter - keine schlechte Entwicklung.

Achja, Fotos habe ich keine gemacht... Die lag schon einige Zeit bei Tageslicht in der Toilette, da wollte ich sie nicht mit einem Blitz zusaetzlich verstoeren.

(Musik: The Sounds - Don't Want To Hurt You)

Blubb!
Chris

Donnerstag, Mai 01, 2008

Wenn Dienstag schon Freitag ist

Oder: Wenn das Schwitzen zur Gewohnheit wird...

In Deutschland ist der 1. Mai ja der Tag der Arbeit. Kein Wunder also, dass auch im sozialistischen Vietnam dieser Tag gebuehrend gefeiert wird. Naja, man bleibt halt daheim. Und da das noch nicht genug "daheim bleiben" ist, wie die Vietnamesen finden - und ich auch - ist der 30. April zufaellig auch noch der "Befreiungstag" - also, der Tag, an dem Saigon 1975 schlussendlich gefallen ist. Ja, und da diese beiden Feste dieses Jahr und auch die letzten Jahre nun mal auf zwei aufeinanderfolgende Tage gefallen ist, dachte ich mir: 'Wenn ich Mittwoch und Donnerstag frei habe, nehme ich mir den Freitag auch noch frei.'
Und somit ist die erste Ueberschrift schon erklaert. Nun zur zweiten Ueberschrift:
Aber was heisst frei? Gestern, also am 30. April habe ich das Haus geputzt bzw. wollte ich putzen und habe auch gut angefangen. Aber, nachdem ich nach den ersten zehn Minuten schon geschwitzt habe, als haette ich nen 100 Kilometerlauf bei 33 Grad im Schatten ohne Pause gerade beendet, beschloss ich das Putzen etwas gelassener anzugehen. Und habe mich einzig und alleine auf die drei Baeder und die Kueche konzentriert. Und mein Zimmer auch... Das Treppenhaus und die beiden unbenutzten Zimmer habe ich nur grob raus gewischt. Nach knapp 4 Stunden war ich dann fertig, platschnass. Und das war dann auch der Moment, an dem ich bemerkt habe, dass unten der erste Raum schnon wieder eine leichte Staubschicht auf dem Boden hatte. Aber das ist normal in Vietnam. Das war uebrigens der zweite Grund, warum ich es gelassen anging. Achja, und man muss das Putzen richtig planen, denn wenn man mit seinen Fuessen wieder ueber den nassen Boden laeuft, hinterlaesst man ueberall Spuren - durch den Staub, der noch in den dreckigen Zimmern liegt.

Ansonsten, Arbeit ist gut, am Freitag war Teambuilding. Das hiess, es ging zuerst etwas essen und natuerlich trinken und dann mit dem kuemmerlichen Rest zum Karaoke. Aber nach der 12. vietnamesischen Ballade, die die Damen und Herren dort sangen, hatte ich keine Lust mehr auf die 13. und bin dann noch in die Innenstadt. Um mit den Profis zu trinken, die nicht nach einem Bia Saigon schon einen hochroten Kopf haben. Trotzdem war es ein sehr netter Abend, und obwohl die Mitarbeiter alle Vietnamesen waren, haben sie doch sehr oft englisch mit mir geredet - sich sozusagen um mich bemueht.

Nevertheless, das waren die Neuigkeiten. Zurueck in die Funkhaeuser.
Halt, da ich das gerade schreibe, kommt noch eine aktuelle Meldung rein: Gerade eine neue "Flasche" Wasser (21L) bestellt und die kostet im Normalfall 12.000 Dong. Ich hatte aber nur noch 100.000er Scheine und einen 10.000 Schein. Die Lieferanten haben meist nicht so viel Geld dabei um auf 100.000 rausgeben zu koennen. Aus diesem Grund schaute ich ein wneig bedroeppelt, als ich im die Scheine so zeigte. Was macht er, nimmt den 10.000er und sagt, das sei ok. Das ist schon sehr erstaunlich, weil ich mal davon ausgehe, dass der Lieferant den vollen Preis an seinen Boss zahlen muss. Ein anderes Mal, als ich zu spaeterer Stunde von meinem Boss nach Hause fahren wollte und ein Motobike-Taxi nehmen wollte, liess ich mich auf die 20.000 ein, obwohl es normalerweise 15.000 kosten wuerde. Es war aber schon spaet und ich wusste nicht, ob ich noch ein Motrbike-Fahrer finden wuerde. Als ich dann an meinem Haus ausstieg und dem Fahrer die 20.000 gab und mich dann umdrehte, rief er mich zu sich zurueck und gab mir 5.000 raus - wild gestikulierend und wohl sagend, dass er meinte, dass es weiter waere. Das ist dann im District 12. Und das ueberrascht mich dann immer wieder...

(Musik: Jimmy Eat World - The Authority Song)

Blubb!
Chris

P.S.: ich freue mich ueber Kommentare!

EDIT:
Jetzt verlange ich Kommentare und dann gehe ich nicht darauf ein.
@Olli:
- Praesentationen ueberarbeiten
- Texte verfassen (News, Referenzen, Kompetenzliste)
- Marketing-Kampagne in AdWords aufsetzen
- Kultureller Dolmetscher zwischen Entwicklung und Kunde
- Geschaeftsprozesse verbessern
- Templates fuer Reports in das ERP einpflegen (nicht so einfach, wie es klingt)
- Kleinmist